- Rose Ausländer Gesellschaft

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Der nächste Reise-Termin ist vom 2. Juni bis 9. Juni 2016


Mythos Czernowitz. Von der Hauptstadt der Bukowina geht eine ungewöhnliche Faszination aus. „Klein-Wien am Pruth“ oder auch „Jerusalem am Pruth“ sind Bezeichnungen, die die Stadt in der Vergangenheit charakterisieren sollten. Eine Stadt, in der Menschen aus vielen Ethnien, aus unterschiedlichsten Kulturen, Anhänger diverser Religionen, mit verschiedenen Muttersprachen friedlich miteinander lebten.

Ausgerichtet auf die Hauptstadt des KuK-Reiches Österreich-Ungarn,  auf die Metropole Wien, geprägt durch die jüdischen Bewohner, die mehr als ein Drittel der Bevölkerung stellten, überwiegend assimiliert und Träger einer deutschen „Leitkultur“ waren. Das „goldene Zeitalter“ der Stadt reichte von 1845, als die Bukowina zum eigenständigen Kronland mit der Hauptstadt Czernowitz erklärt wurde, bis 1915, als russische Kosaken im 1. Weltkrieg die Stadt überfluteten und die Bukowina 1918 an Rumänien fiel.

Durch eine Vielzahl herausragender meist jüdischer DichterInnen, bildende Künstler und Wissenschaftler, die in Czernowitz geboren wurden oder doch eine längere Zeit ihres Lebens dort verbrachten, wird auch heute noch unsere Blick auf das mittlerweile ukrainische Cernivci gelenkt. Allerdings gilt das Interesse wesentlich dem Werk der deutsch- und jiddischsprachigen DichterInnen und Intellektuellen und ihrem Leben in einer Gesellschaft, die vielen von uns ein „multikulturelles“ Ideal zu sein scheint.

Da die alte, die „österreichische“ Stadt, zwar in weiten Teilen sanierungsbedürftig, bis heute erhalten blieb, lohnt es sich, vor Ort zu erkunden, welche Zeugnisse des „goldenen Zeitalters“ sich noch finden lassen und zu prüfen und zu fühlen, ob vom Geist und der Ausstrahlung des mythischen Ortes noch etwas erhalten, noch zu spüren ist.

Die Rose Ausländer-Gesellschaft
bietet 2016 wieder eine geführte achttägige Reise nach Czernowitz an. Für die An- und Abreise wird jeweils ein Tag benötigt (Flug ab Düsseldorf, Bus ab Lemberg), in Czernowitz stehen sechs Tage zur  Erkundung der Stadt und ihrer Umgebung zur Verfügung.

Die Stadtspaziergänge führen zu den Spuren von Rose Ausländer, Paul Celan, Selma Meerbaum-Eisinger, Gregor von Rezzori, Elieser Steinbarg, Mihail Eminescu und weiteren DichterInnen; das österreichische Czernowitz bildet einen Schwerpunkt mit Besuchen des Theaters, der Musikhochschule, des Rathauses, des Justizpalastes, des Kunstmuseums, der ehemaligen Residenz des griechisch-orthodoxen Erzbischofs (heute Zentralgebäude der Universität), der Kathedralen und Kirchen verschiedener Religionen. Ringplatz, Volkspark und Habsburghöhe gehören zum typischen Bild jeder österreichischen Stadt.

Natürlich ist auch das „jüdische“ Czernowitz ein Schwerpunkt der Reise. Das alte jüdische Viertel lässt sich finden, über 70 Synagogen und Bethäuser waren einst mit Leben erfüllt. Heute reicht eine kleine Synagoge für die jüdische Gemeinde. Die anderen werden zweckentfremdet genutzt als Möbellager, Fabriken oder wie der ehemalige jüdische Tempel, das imposanteste jüdische Kirchengebäude der Stadt, umgebaut zum Kino. Im Foyer des Kinos erinnert eine Marmortafel an Joseph Schmidt, den berühmten Tenor der zwanziger und dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts, der in Czernowitz geboren wurde, im Kinderchor des Elieser Steinbarg das Singen lernte und im Tempel und der Großen Synagoge ein Jahr lang als Kantor sang, bevor er nach Berlin ging und Weltruhm erlangte.

Der alte jüdische Friedhof mit fast 70.000 Gräbern ist heute der markanteste Platz jüdischen Lebens in Cernivci. Und die verfallenen Ruinen des Palastes des Wunderrabbi von Sadagora der beschämenste.

Eine Busfahrt zur Festung Chotin am majestätischen Dnjestr führt in die Nähe des Ortes, an dem 1941 die aus der Bukowina deportierten Juden auf Flößen den Strom überqueren mussten, um die Gettos in Transnistrien zu erreichen. Dort starben 350.000 Menschen an Seuchen, Hunger und Kälte, ermordet weil sie Juden waren. Dort ging die von deutschsprachigen Juden getragene Kultur der Stadt Czernowitz zu Grunde.

Ausflüge zum Cecinaberg und in die Waldkarpaten, das Erkunden der modernen Stadt Cernivci, ein Gespräch mit dem Rabbi, Vorträge von Peter Rychlo (Germanist an der Universität Cernivci), Helmut Braun (Beiratsvorsitzender der Rose Ausländer-Stiftung), des jüdischen Historikers Mykola Kushnir (Direktor des Jüdischen Museums), ein Gespräch mit dem Chefredakteur der Regionalzeitung, ein Klezmer-Konzert mit einer örtlichen (aus Filmen bekannten) Gruppe und eine Lyriklesung am Pruth und natürlich Freizeit zum Erkunden auf eigenen Wegen und Mahlzeiten mit allem, was die ukrainische Küche zu bieten hat - mit „gefilltem Fisch“ auch ein Ausflug in die jiddische Kochkunst – machen die Reise zu einem Erlebnis.

Zurück gekommen, werden die Reisenden mit anderen Augen die Texte lesen, mit denen alle DichterInnen ihre Heimatstadt erinnern und preisen. Und der Geist der alten Stadt, ist er noch zu finden? Lassen Sie sich überraschen.    


aktualisiert am  17.01.14

 
 
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